Grünes Baugebiet Etting-Steinbuckl

Entwurf des Bebauungsplanes jetzt im Ingolstädter Stadtrat

Nachhaltigkeit bedeutet vor allem Auseinandersetzung mit dem Thema Ökologie
Nachhaltigkeit bedeutet vor allem Auseinandersetzung mit dem Thema Ökologie

Das Baugebiet Etting-Steinbuckl in Ingolstadt soll Maßstäbe bei der Nachhaltigkeit setzen. Der aktuelle Stand des Bauleitplanverfahrens.

Am Donnerstag, 25. März 2021, wird der Entwurf des Bebauungsplanes Etting-Steinbuckl dem Stadtrat zum Satzungsbeschluss vorgelegt. Damit befindet sich das Bauleitplanverfahren vor dem Abschluss. immonews.IN, der Nachrichtendienst für Immobilienpreise und Mieten im Großraum Ingolstadt, zitiert aus einer Pressemitteilung der Stadt Ingolstadt: „Ein Meilenstein für ein besonderes Baugebiet in Ingolstadt, das vor allem zum Thema Nachhaltigkeit Maßstäbe setzt.“

Doch was bedeutet Nachhaltigkeit? Nachhaltigkeit betrachtet demnach viele Faktoren des Bauens und Zusammenlebens in einer zukunftsfähigen Stadt. Ausschließlich Einfamilienhaussiedlungen bieten nur für verhältnismäßig wenige Menschen Wohnraum, verbrauchen aber viel Erschließungs- und Grundstücksflächen. Sie sind vor allem in Regionen mit wachsenden Bevölkerungszahlen und hohen Baulandpreisen nicht mehr zeitgemäß. Vielmehr gilt es eine geeignete städtebauliche Antwort auf den Bedarf an Wohnraum zu finden, aber auch dem Wunsch aus der Bevölkerung nach den eigenen vier Wänden mit Garten nachzukommen – und zwar immer der speziellen Situation vor Ort angemessen. Die universelle Antwort gibt es nicht, weshalb das Stadtplanungsamt für jeden Standort eine individuelle städtebauliche Lösung gemeinsam mit allen Beteiligten sucht.

Das neue Baugebiet Etting-Steinbuckl soll auf viele Fragen einer zukunftsfähigen Stadtentwicklung Antworten geben, insbesondere im Kontext der dörflich geprägten Stadtteile Ingolstadts. Nicht an jeder Stelle der Stadt ist ausschließlich Geschosswohnungsbau angemessen oder erwünscht. Der Flächenverbrauch von Natur und Landschaft soll dennoch so gering und der Ausgleich dafür so wertvoll wie möglich sein. So wurde im neuen Quartier Wert auf eine Durchmischung von unterschiedlichen Wohnformen gelegt. Das städtebauliche Konzept sieht verschiedene Gebäudetypologien in Form von verdichteten Einfamilienhäusern, Doppel- und Reihenhäusern sowie Mehrfamilienhäusern vor.
Direkt am Ortsrand sind auf kleinen Grundstücken, die bei steigenden Grundstückspreisen die zu finanzierende Summe senken, grenzständige Einfamilienhäuser, sogenannte Stadthäuser vorgesehen. Auf Grund der besonderen Bauweise wird nicht nutzbare Grundstücksfläche minimiert, ohne dass die Freiraumqualität leidet oder ein Garten weichen muss. Abstandsstreifen bzw. Gartenrestflächen entfallen. Es entsteht eine günstige Kosten-Nutzen-Relation bezüglich Grundstückskosten und gut nutzbarer Fläche. Vorgesehen sind zweigeschossige Gebäude mit Staffelgeschoss. Die so entstehenden Dachterrassen dieser Stadthäuser mit Orientierung zur freien Landschaft haben eine hohe Qualität und erweitern das private Freiflächenangebot. Durch die etwa 380 Quadratmeter großen Grundstücke können auf gleicher Fläche deutlich mehr Einfamilienhäuser entstehen, wie auf gleicher Fläche bei traditionellen Baustrukturen und Grundstücksgrößen.
Zukunftsfähig ist zudem eine Stadt der kurzen Wege. Im Baugebiet Steinbuckl wird im Zentrum des Quartiers das sogenannte Grüne Herz geplant. Der pentagonförmige mit Bäumen gestaltete Platz ist Treffpunkt für die künftigen Bewohner und Bewohnerinnen und gibt dem Quartier eine eigene Identität. Am Platz liegt der geplante Lebensmittelmarkt, der die umgebende Wohnbebauung vor Lärmimmissionen der Hepberger Straße schützt. Die grüne Mitte kann zu einem vitalen Herzstück des neuen Quartiers werden und Raum bieten für Begegnung und Spiel für Alt und Jung, für Quartiersfeste, Flohmärkte und noch viel mehr. Um auch kostengünstigen Wohnraum anbieten zu können und mit Grund und Boden sparsam umzugehen, soll der Supermarkt mit Wohnungen überbaut und dessen Dachfläche begrünt und begehbar gestaltet werden.

Nachhaltigkeit bedeutet aber vor allem Auseinandersetzung mit dem Thema Ökologie. Für die Umsetzung des Baugebiets war es zum Beispiel notwendig ein spezielles Entwässerungskonzept zu entwickeln. Für die Verdunstung und den Rückhalt von Regenwasser werden straßenbegleitende, bepflanzte Retentionsflächen vorgesehen, die das Niederschlagswasser aufnehmen und sukzessive in das große Regenrückhaltebecken unter dem Quartiersplatz einleiten, bevor es in den Güßgraben fließt. Außerdem werden flächendeckend Gründächer festgesetzt um möglichst viel Verdunstungsfläche zu schaffen. So müssen alle Dächer ab einer Fläche von 15 Quadratmetern ausnahmslos begrünt werden. Dacheindeckungen aus Kupfer, Blei und Zink sind ausgeschlossen, um die Fischpopulation im Güßgraben nicht zu gefährden.

Das Baugebiet wird außerdem von einer großzügigen, ca. 1,3 Hektar großen Streuobstwiese eingefasst, die zum einen im Sinne des Naturschutzrechtes als Ausgleichsmaßnahme dient, zum anderen im Sinne des Landschaftsschutzes einen eingegrünten Ortsrand definiert, der gegenüber Ackerland ökologisch aufgewertet wird und einen sanften Übergang zur freien Flur ermöglicht. Eine intensive, raumbildende Ein- und Durchgrünung mit Bäumen wird sowohl auf den öffentlichen Grünflächen, als auch auf den privaten Baugrundstücken vorgeschrieben. Zusammen mit externen Fachplanern und dem städtischen Garten- und Umweltamt ist ein standortgerechtes Bepflanzungskonzept erarbeitet worden, das geschützten Arten im Umfeld des künftigen Baugebiets Brut- und Lebensraum bietet und im Quartier die Artenvielfalt durch Nist- und Nährweiden fördert.

Aufgrund der Besonderheiten bezogen auf Ökologie, Grundwasserschutz und Wohnformen, hat das Stadtplanungsamt ein Gestaltungshandbuch entwickelt. Den zukünftigen Bauwerbern werden Hilfestellungen in Form von Anregungen und Erklärungen an die Hand gegeben. Das Gestaltungshandbuch enthält Informationen zu den Zielen des neuen Baugebiets sowie grundsätzliche Empfehlungen für eine qualitativ hohe gestalterische Umsetzung und dient als Ergänzung zu den Vorschriften des Bebauungsplanes. Das Handbuch ist im Stadtplanungsamt erhältlich und wird allen Bauwerbern im Quartier zur Verfügung gestellt. Außerdem steht es für Interessierte im Internet zum Herunterladen zur Verfügung.

 

 

 

Foto: immonews.IN / Michael Stadik